14. August 2012

Wenn zwei von einer Reise kommen...

...haben sie zumeist viel zu erzählen. Ich glaube unser Wochenendtrip ist prädestiniert für diesen Spruch.

Am Samstag ging es zu einem Rollenspiel nach München und da wir irgendwie aus der Zeit des Luftmatratzen-Schlafens bei Freunden nun doch raus gewachsen sind, hatten wir uns bei einem günstigen Hotel eigemietet. Dachten wir, denn es kam alles irgendwie anders...

20 Minuten vor München erreicht uns ein Anruf: Ja , hallo? Ihr Mann hat bei uns ein Zimmer für Sie beide gebucht, aber...ich habe da ein Problem. Das Zimmer ist belegt, die Gäste wollten einfach nicht abreisen. (Böse, böse Gäste, böse!!!) Aber ich habe für Sie ein Zimmer in einer Pension in der gleichen Preisklasse gebucht... unser erstes Aha-Erlebnis

Irgendwie war mir der Spruch von Bodo in Erinnerung: wenn das Hotel nichts ist, suchen wir uns vor Ort etwas. Tja, leider konnten wir nun das Hotel nicht mehr testen um heraus zu finden, ob es gut gewesen wäre oder nicht. Also schnell die Adresse im Navi geändert und der neuen Route gefolgt.

Der Stadteil Obermenzing hat, wenn man auf der Hauptstraße fährt ein wenig Vorortcharakter udn ist nicht so wirklich ansprechend, biegt man dann jedoch in die Seitenstraßen ein, werden die Straßen schmaler und die Häuser hübscher. alles in allem eine schöne Gegend für unsere Pension, die beim ankommen von aussen sehr gepflegt aussah. Das Haus selbst war früher vermutlich ein 4 Parteien-Haus

An der Klingel stand, daß die Anmeldung im 1. Stock sei. Also nichts wie geklingelt und die erste Etage erklommen. Wir standen dann vor einer offnen Haustür. Auf ein Halloooo? kam aus einem Zimmer ein ca 70jähriger Mann in blauen Alltags/Arbeitshosen, der sich gerade die Hosenträger auf das Feinripphemd zog. Unser zweites Aha-Erlebnis.

Besagter Herr rief dann noch in die Wohnugn rein, daß die Gäste da wären und sofort kam aus einer weiteren Tür eine sehr düne, recht verlebt aussehende Dame mit ausgewachsenem Bubikopf, vielleicht so 65. Herrlich war auch ihr Dialektmischmasch durch ihre osteuropäische Herkunft und tiefstem bayrisch. Da mußte man schon 2 Mal hinhören um zu verstehen:

Wollen Sie ein Doppelzimmer mit Etagendusche oder Dusche auf dem Zimmer? Mit Frühstück oder ohne? Gleich zahlen oder morgen...

Die Frage in unserem Kopf, wie wohl die Etagendusche aussieht haben wir mit der Wahl der Zimmerdusche umgangen und folgten unserer Wirtin um das Haus herum zu einem kleinen Anbau mit zwei Zimmern. Beim erste Eintreten in unser Zimmer Nr. 7 war der Eindruck ganz ok. Ein Doppelbett, ein Minischrebtisch mit Minifernseher und Schrank, alles im typischen 70er/80er Pastellstil gehalten und ein wenig verwohnt, aber 69 Euro mit Frühstück -was will man mehr erwarten. udn dann drehten wir uns zur anderen Zimmerseite um und blickten auf ein Wachbecken und Dusche - ohne Tür, ohne Abtrennvorhang... Wir konnten nur noch lachen. Dusche auf Zimmer eben. Hatten wir beide auch noch nicht.

Dann wurde auch das WC inspiziert, das zwischen den beiden Zimmern auf dem Gang lag. Ja, da bleibt nicht viel mehr zu sagen als 1m auf 1,50m und die Tür öffnet sich nach innen. Enger ging es nicht... und wieder ein Aha-Erlebnis

Auf die Frage, wie das mit der Haustür abends geregelt wird, weil wir noch etwas unternehmen wollten, kam die Antwort, daß die Tür offen udn auf Schnapper eingestellt bleibt. Aaaaah... ok....Ja...Zumal unsere Zimmertür kein Sicherheitsschloß sondern so ein typisches Schloss mit großem Schlüssel besaß. Aber was wollten wir nach dem Vorlauf noch sagen? 

Einzig die Frage, wie das Frühstück ablaufen würde drehte sich noch in unserem Kopf . Aber das konnten wir ja am Folgetag herausfinden. Wie wir vom Vortag wußten, sollten wir einfach wieder in den 1. Stock kommen. Also am Morgen nichts wie dahin. aus einem Zimmer hörte man das Piepsen eines Blutdruckmessgerätes und das Ratschen einer Manschette, bevor der ältere Herr, diesmal mit Shirt und nicht nur in Feinripp, aus dem Zimmer kam und im Treppenhaus verschwand. Zeitgleich kam die Wirtin und führte uns ins Wohn-/Esszimmer. Also deren Wohn-/Esszimmer, das mittels dreier Tische zu einem Frühstücksraum umfunktioniert wurde. Es gab kein Geschirrteil, das zusammen gepaßt hätte, auf jedem Tisch stand eine 500gr Dose Nutella, natürlich angefangen und unsere Wirtin stellte uns einen Teller mit 3 Scheiben Salami, 3 Scheiben Leberkäse und 3 Scheiben Käse hin.

Alles war so herrlich surreal. Man kann es nicht anders sagen.

Rückblickend auf unseren 70er Jahre-Retro-Tripp kann ich nicht sagen ob ich dort noch  mal übernachten würde oder nicht. Preis-Leistung stimmte..aber es war auch sehr, sehr eigen. Ja...und ich muß immernoch lachen bei dem Gedanken an dieses verrückte Wochenende.

2 Kommentare:

Birgit hat gesagt…

Hihi....das fällt schon fast in die Kategorie Abenteuerurlaub. ;-)

Tine hat gesagt…

Aber unbedingt....